Geboren im Goldrausch – Die Münzstätte in San Francisco

Daniel Baumbach

Der Kalifonische Goldrausch sorgte dafür, dass sich die Einwohnerzahl von San Francisco innerhalb eines Jahres von 900 auf 20.000 erhöhte. Hier sehen wir den Hafen im Jahr 1851.

Am 24. Januar 1848 wurde in Kalifornien erstmals Gold gefunden. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und abertausende zog es gen Westen, um als Goldschürfer ihr Glück zu machen. Binnen kurzer Zeit machte der kalifornische Goldrausch das kaum erschlossene Hinterland an der Pazifikküste zu einer florierenden Region, die schon 1850 zum US-Bundestaat Kalifornien formiert wurde. Um die Massen an Gold in Münzen zu verprägen, brauchte es eine Münzstätte vor Ort, die 1854 in San Francisco eröffnet wurde. Und das war höchste Zeit. Denn in der Zwischenzeit hatte sich ein lebhaftes Gewerbe von privaten Münzstätten gebildet, die inoffizielle, aber gern genommene eigene Goldmünzen herstellten. Dazu gehören die heute begehrten privaten Prägungen der Firma Moffat & Co und die provisorischen, aber immerhin staatlich überwachten Prägungen des „United States Assay Office of Gold“.

Die ersten Goldmünzen aus San Francisco stammen nicht von der Münzstätte: Oktogonale 50 Dollar-Münze des United States Assay Office of Gold von 1852. Aus Auktion Künker 271 (2016), Los 667. Foto: Lübke+Wiedemann, Leonberg.

Noch im Eröffnungsjahr 1854 wurden Goldmünzen im Wert von über 4 Millionen US-Dollar geprägt, Tendenz in den kommenden Jahren steigend. Auf ihnen sieht man wie heute das Münzzeichen S.

Bald erwies sich das eilig errichtete erste Gebäude als zu klein, so dass bereits 1874 ein Neubau eröffnet wurde. Schon ein Jahr zuvor wurde die Münzstätte vom Kongress als eigene Prägeanstalt organisiert und war damit nicht mehr nur Zweigstelle von Philadelphia. Dem prächtigen Neubau sieht man das voll und ganz an.

Der als Old Mint oder Granite Lady bekannte Neubau ist bis heute schön anzusehen. Mit der zehnfachen Fläche der alten Münze ausgestattet, gilt der Bau bis heute als Symbol des Wohlstandes von San Francisco auch nach dem Goldrausch. Hier wurden bald nicht mehr nur Goldmünzen geprägt, sondern ab 1878 auch Silbermünzen wie die Morgan Silver Dollars. Außerdem wurde San Francisco – neben Philadelphia – die erste Münzstätte, in der Kleingeld aus unedlem Metall fabriziert wurde.

Das heutige Gebäude der Münzstätte von 1937. Foto: Seth Golub / CC BY-SA 2.5.

Die Münzstätte San Francisco heute

Obwohl das Gebäude so stabil war, dass selbst das große Erdbeben von 1906 ihr keinen nennenswerten Schaden zufügte, zog die Münzstätte 1937 in ein neues Gebäude um. Dort befindet sie sich noch heute. Der prächtige Neubau liegt erhöht auf einer Art Plateau und hat etwas von einer Festung – er wirkt mindestens ebenso stabil wie die Granite Lady. Anders als in Philadelphia war der Neubau trotz seiner Pracht aber auch ein Rückschritt: Er hat mit 3.000 Quadratmetern nur halb so viel Fläche wie die Granite Lady, was uns zeigt, dass das Produktionsvolumen hier nicht stieg, sondern abnahm – die wortwörtlich goldenen Zeiten waren vorbei. Die Münze fiel in den nächsten Jahrzehnten Sparmaßnahmen zum Opfer. 1955 bis 1968 kam die Produktion sogar gänzlich zum Erliegen, bevor sporadisch vereinzelte Ausgaben hier produziert wurden.

Heute wird in der Münze wieder durchgehend produziert, allerdings keine Umlaufmünzen. Die Münzstätte ist seit 1975 eher für die Feinarbeit abgestellt: Fast ausschließlich hier entstehen die US-Münzen in polierter Platte. Stempel und Ronden werden nicht vor Ort produziert, sondern nur veredelt und poliert.

Es werden beispielweise die Proof-Versionen der aktuellen „American Innovation“-Serie in San Francisco geprägt, die pro Bundestaat eine große Erfindung darstellen. Auch eine der zwei ersten farbigen Münztypen in der Geschichte der Vereinigten Staaten wurde im Jahr 2020 in San Francisco geprägt.

Weiterhin werden in San Francisco die meisten Münz-Sets produziert und verpackt. Daher ist die Münzstätte auch dahingehend mit speziellen Anlagen ausgestattet, mit der abertausende Münzsätze pro Tag eingeschweißt und verpackt werden können. Seit 2016 wird diese Aufgabe vollautomatischen von einer Reihe von Robotern erledigt – nein, das heißt nicht, dass dutzende kleine R2D2s oder Wall-Es durch die Münzstätte flitzen. Es handelt sich dabei um High-Tech-Arme, die die Münzen erkennen, vom Fließband nehmen und an die richtigen Stellen packen – und das auch noch richtig herum! Seit 2016 ist dieses automatisierte Fließband in der Lage, 1.800 Sets die Stunde zu verpacken – zuvor waren es 600. Um diese topmoderne Ausstattung wird die San Francisco Mint oft beneidet.

Highlights aus der Münzstätte von San Francisco: gestern und heute

Viele Schätze der US-Numismatik entstanden in der traditionsreichen Münzstätte. Natürlich waren viele davon aus Gold – aber nicht alle.

Eine der ungewöhnlichsten US-Münzen: Die oktogonale 50 Dollar Münze von 1915. Foto: Heritage Auctions.

Zu den der Gestaltung nach ungewöhnlichsten Münzen der US-Numismatik gehören zweifelsohne die Sondermünzen anlässlich der Panama Pacific International Exposition 1915. Die fand nur 10 Jahre nach dem verheerenden Erdbeben statt und war ein Zeichen dafür, dass San Francisco schon wenige Jahre nach der Katastrophe zur alten Bedeutung zurückgefunden hatte. Bis 2010 waren die goldenen 50 Dollars von damals die größten und schwersten offiziellen Goldmünzen der USA, dazu noch mit dem höchsten Nominal. Die oktogonale Version dieser Stücke ist außerdem die einzige offizielle US-Münze, die nicht rund ist.

Da die Münzen damals kein Verkaufsschlager waren, wurden nicht viele verkauft und daher wieder eingeschmolzen, so dass nur ein paar hundert existieren, die hohe Preise erzielen.

5 Dollar 1854. Der Half Eagle ist wohl die wertvollste Münze, die in San Francisco geprägt wurde. Foto: NGC.

Die wohl wertvollsten in San Francisco geprägten Münzen sind die 1854-S Half Eagle. Von der ursprünglich schon enorm geringen Auflage von 268 sind heute nur noch vier Exemplare bekannt, von denen eines im August 2018 für 2,16 Millionen Dollar verkauft wurde.

1 Dime 1894 aus San Francisco, eines von nur 9 heute noch bekannten Exemplaren. Foto: PCGS.

Jeder Münzbegeisterte weiß, dass eine Münze nicht groß und golden sein muss, um wertvoll zu sein. So ist eine weitere der wertvollsten Münzen der Münzstätte San Francisco ein einfaches 10 Cent-Stück, ein Dime. Er wurde 1894 geprägt und wird nach seinem Designer als Barber-Dime bezeichnet. Doch während in Philadelphia in diesem Jahr 1,3 Millionen davon geprägt wurden, waren es in San Francisco – nur 24. Die genaue Ursache dafür ist umstritten, jedenfalls werden entsprechen große Summen geboten, wenn eines dieser seltenen Stücke auf den Markt kommt. Im Januar 2016 wurde eines für 1,997 Millionen Dollar versteigert.

2006 erinnerte eine goldene Gedenkmünze zu 5 Dollar an die große alte Münze. Geprägt wurde sie – wie sollte es anders sein – in San Francisco. Foto: US Mint.

Heute erinnert man sich gern an die Goldgräbertage und die Blütezeit von San Francisco, die auch durch die prächtige alte Münzstätte symbolisiert wird. Immer wieder gibt es Bemühungen, die Granite Lady zu einem Museum zu machen. 2006 würdigte man sie mit einer Abbildung auf einem Gedenk-Dollar. Natürlich wurde die Münze in San Francisco geprägt. Und natürlich, wie könnte es anders sein, war sie aus Gold.

 

Unseren Artikel über die Münzstätte in Philadelphia finden Sie hier.

Auf Youtube sehen Sie die Verpackungsroboter in Aktion und auf der Seite des US-Mint werden die Aufgaben der einzelnen Roboter genauer erklärt.